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bluthochzeit

federico
garcía lorca
bluthochzeit
Die Braut und der Bräutigam - eine tragische Geschichte, denn
die Braut, wir nennen sie Maria, liebt eigentlich einen anderen Mann: Leonardo.
Drei Jahre lang waren Maria und er ein Paar, dann kam es zum Bruch, weil Leonardo
sie mit einer anderen betrog. Maria brach den Kontakt ab und Leonardo heiratete
schließlich das Mädchen aus dem Nachbardorf. Jetzt, Jahre später,
ist Maria mit Miguel liiert, dessen Mutter Land und Geld besitzt. Maria soll
ihr Enkelkinder schenken. Als die Hochzeit naht, taucht Leonardo auf...
"Modernisierte Sprache, Verfremdungseffekte sowie die fabelhafte Musikauswahl
verleihen dem Stück den typischen theater-lux-Schliff" (tip 13/2007)
Es
spielten
Uta Caspary, Johanna Malchow, Hannah Wiemer, Marc Baumann, Stephan Eberhard
und Robert Kluth
Regie
Sebastian Zett
Regieassistenz
Eral Kalender
Premiere war am 16. Juni 2oo7 im Theater o.N.
Das
Ensemble der Fortgeschrittenen 2oo6/o7
begann im Oktober 2oo6. Alle Spieler hatten bereits mehrjährige Theatererfahrung;
einige von ihnen standen schon in Berliner Theatern (Volksbühne, HAU etc.)
auf der Bühne. Im Februar 2oo7 gastierte die Gruppe mit einem Auszug aus
der Produktion auf dem 100GRAD-Festival im "Hebbel am Ufer"
(HAU).
bluthochzeit
entstand in einem Zeitraum von etwa fünf Monaten. Die Probenphase begann
mit einem Stückauswahl-Wochenende im brandenburgischen Chorin und fand
ihren Höhepunkt in der Andalusien-Reise kurz vor der Premiere im Juni 2oo7.
Dort, in einem großen Haus inmitten der Olivenhaine, lebte und arbeitete
das Ensemble eine Woche lang (Reisebericht unten).
Zur
Inszenierung
Ein
kahler Raum, weiss getünchte Wände, Holzboden, in der Ecke hinten
ein Fenster, abgedunkelt - so präsentiert sich das Theater o.N. Sobald
man den Raum betritt, hat man das Gefühl, im Innern eines südländischen
Hauses zu stehen. Unterstützt wird der Gedanke, wenn auf dem Fensterbrett
ein Heiligenbild und zwei Grabkerzen stehen, in der Mitte des Zimmers lediglich
zwei schwarze Stühle...
So viel zur Ausstattung. Wie immer im lux lebte die Inszenierung vom Spiel,
von der Interaktion, von der Emotionalität der Schauspieler, nicht vom
drum herum.
Umso grösser die Herausforderung für die Spieler, wenn es nichts gibt,
was ablenken kann, wenn allein das Spiel tragen muss.
Lorcas
Bluthochzeit ist eines der grössten Stücke des 20. Jahrhunderts und
doch auch eines der schwierigsten. Der bisweilen blumige Text stösst hier
und da auf Widerstände und so findet sich das Stück nicht allzu oft
auf den Spielplänen großer Bühnen. Dass wir uns bewusst dafür
entschieden haben, lag daran, dass die Gruppe eine Herausforderung suchte -
gerade in der lyrischen Sprache transportiert sich die andalusische Seele und
eben dieser Punkt sprach uns an. Aufgrund der Zusammensetzung des Ensembles
entschieden wir uns, aus der Rolle des Brautvaters die des Bruders (Stephan
Eberhard) zu machen. Überhaupt waren alle Rollen ziemlich jung gehalten,
um den Spielern die Möglichkeit zu geben, sich besser einzufühlen.
Was den Text betrifft, so haben wir gekürzt wo es ging und versucht alles
unnötige rauszunehmen. So kam zum Beispiel die berühmte Holzfällerszene
in unserer Inszenierung gar nicht vor, auch der Mond tauchte nicht auf und der
Wald war ebenfalls nicht zu sehen. Einzig und allein die Sequenz der Begegnung
des Bräutigams mit dem Tod haben wir gezeigt. Die drei Orte der Handlung
wurden nur durch Umstellen der Stühle sichtbar. Bemerkenswert waren diesmal
eine komplette Szene mit dem Rücken zum Publikum und eine Szene im Liegen
(die Liebensszene im Wald). Der Höhepunkt aber war sicherlich die Hochzeitsfeier:
wie kann man mit einem Ensemble von sechs Spielern eine ganze Hochzeitsgesellschaft
darstellen? Wir haben uns an dieser Stelle für eine Tanzsequenz entschieden.
Im ersten Teil der Hochzeits-Szenerie waren alle Spieler auf der Bühne
tanzend zu sehen, wobei unterschiedlichen Paar-Konstellationen probiert wurden
(die es auch möglich machten, Beziehungen der Figuren zueinander zu zeigen,
da auch Figuren miteinander tanzten, die dies eigentlich nicht tun würden,
wie die Mutter des Bräutigams mit der Braut, Leonardo mit dem Bräutigam
u.ä.). Im zweiten Teil tanzten ein paar Figuren im Hintergrund, während
andere im Vordergrund parallel dazu Szenen spielten.
Den Tod von Leonardo Felix und dem Bräutigam Miguel haben wir symbolisiert,
indem beide Männer von einer alten Frau abgeführt wurden, gefolgt
von nur einem einzigen, aber markerschütternden Schrei (Johanna Malchow).
Insgesamt lässt sich sagen, dass es gelungen ist, durch surreale Momente
und absurde Sequenzen sowie durch die sparsam gehaltene, aber unterstützende
Musik die Poesie des Stückes einzufangen.
Theaterreise
nach Andalusien
Aus dem Reisebericht:
"An einem sonnigen Tag Ende Mai war es endlich soweit: das Ensemble der
Fortgeschrittenen traf sich, um die berühmt-berüchtigte "Woche
am Ort des Geschehens" anzutreten. So ging es, knapp drei Wochen vor der
Premiere der "Bluthochzeit", in die Heimat von Federico García
Lorca. Zunächst wartete das Flugzeug nach Malaga. Von dort zog der Trupp
dann mit zwei Mietautos weiter ins andalusische Hinterland.
Aufgrund von Verzögerungen am Flughafen und ein paar abenteuerlichen Abstechern
auf Spaniens Straßen, traf die Gruppe erst gegen Mitternacht in Cómpeta
ein, wo die Unterkunft für die nächsten sechs Tage bereits wartete:
eine Finca mitten in den Olivenhainen, in der Ferne das Meer.. Und da es schon
dunkel war, war die traumhafte Aussicht vom Haus und der davor liegenden Terrasse
am nächsten Morgen eine echte Überraschung.
Auch der Ort Cómpeta, eines jener typisch andalusischen "weißen
Dörfer", fügte sich malerisch in die Landschaft. Das Haus, in
dem fortan geprobt, trainiert und diskutiert wurde, befand sich ein paar Kilometer
außerhalb des Ortes - damit hatte man immer seine Ruhe, konnte aber jederzeit
unter die Menschen, wenn man es wollte. Natürlich ließ die Gruppe
es sich nicht nehmen, im Kostüm durch den Ort zu ziehen. So ging man am
Sonntag "geschlossen" in die Kirche. Da jeder Spieler die Aufgabe
hatte, sich einmal für mindestens drei Stunden in seine Rolle zu begeben,
nutzten alle die Gelegenheit, nach der Kirche das zu tun, was ihre Figur tun
würde: manche gingen in die Weinberge, andere auf den Friedhof.
Zwischen all den Aufgaben und Proben blieb aber auch noch genug Zeit, um ans
Meer zu fahren oder auch mal Tapas essen zu gehen.
Leider ging die Woche viel zu schnell zu Ende. Für alle dürfte es
aber der Beginn einer langen Freundschaft mit Andalusien gewesen
sein..."
Fotos
>von den Proben
>von der Auswahlfahrt nach Chorin
>von der Probenfahrt nach Andalusien